Ein kleiner geschichtlicher Abriss

Die Große Kreisstadt Großenhain kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Geht man durch die Straßen und Gassen der Stadt, so erinnern Straßennamen und Gebäude an vergangene Tage des Wohlstands, aber auch an Zerstörung und harte Arbeit. Große Teile der historischen Altstadt (Stadtkern innerhalb des Alleerings) sind noch erhalten und zeigen die typischen Charakteristika einer mittelalterlichen Stadt. Leider sind durch zwei Stadtbrände, den Rathausbrand von 1872 und zwei Weltkriege zahlreiche Häuser und eine Vielzahl von Dokumenten und Nachweisen über die Stadt verloren gegangen. So gibt es heute einzelne Unsicherheiten über den genauen Verlauf der Stadtgeschichte.

900 bis 1500

 

um 900

ist die an der Röder gelegene slawische Fischersiedlung Ozcek bekannt (Katharinenplatz, Katharinengasse).

um 1150

kam es zur Gründung der ersten deutschen Siedlung als planmäßige Stadtanlage nördlich der Röder (Neumarkt, Klostergasse) mit slawischem Namen Ozcek. Sie diente nach der Gründung der Burg Meißen dem Schutz der Fernhandelsstraße via regia „Hohe Straße“.

1207

erfolgte die erste nachweisbare urkundliche Ersterwähnung.

1292

wurde die Stadt erfolglos durch die Brandenburger belagert.

1398

wurde zwischen den „Sechsstädten“ Bautzen, Görlitz, Laubaen, Zittau, Kamenz und Löbau gemeinsam mit Großenhain, Meißen und Dresden ein Vertrag zur Sicherung der „Hohen Straße“ geschlossen.

1443

Erteilung des Niederschlagsrechts für alle Kaufmannswaren.

1489

Verlegung des Waidhandels von Görlitz nach Hayn.

um 1500

erreichte Großenhain seine Blütezeit als Fernhandels- und Tuchmacherstadt und galt als eine der stärksten Landfesten Sachsens.

 

 

1500 bis 1900

 

1540

vernichtete ein Stadtbrand ¾ der Stadt, u. a. auch die Waidhäuser.

1575

wütet – wie auch in den Jahren 1585, 1611, 1626 und 1680 – die Pest.

1637

1. erfolglose Belagerung Großenhains durch schwedische Truppen.

1642

2. erfolglose Belagerung durch die Schweden.

1697

hat die Stadt ca. 2.600 Einwohner (ohne Kinder). Tuchmacherei wird von über 200 Meistern (ohne Lehrlinge und Gesellen) ausgeübt.

1712

kamen die ersten Kartoffeln nach Großenhain. Der Obergeleitskommissar Lucius hatte sie von einem guten Freund aus dem Gebirge erhalten.

1734

Mit der Stationierung der berittenen Freischützen des Regiments „Prinz Carl“ wird Großenhain Garnisonsstadt.

1744

vernichtet ein Stadtbrand erneut ¾ der Stadt.

1763

kommt es zur Gründung der kurfürstlichen „Zitz- und Kattunmanufaktur“.

1828

gründet der Rentamtmann Karl Benjamin Preusker die erste öffentliche Volksbibliothek Deutschlands.

1834

beginnt die Industrialisierung in Großenhain mit der Aufstellung der ersten Dampfmaschine in der Naundorfer Kattunfabrik.

Die Stadt steht mit 5.755 Einwohnern größenmäßig an der 13. Stelle der 144 Städte Sachsens.

1834 – 1851

wird die Stadtbefestigung abgebrochen und der Wassergraben verfüllt. An deren Stelle entsteht zwischen 1856-1858 der Promenadenring mit Grünanlagen.

1839

Durch die Gründung der städtischen Sparkasse wird die weitere Entwicklung der Stadt begünstigt.

1849

Die Druckerei Theodor Haffner verlegt die erste deutsche „Frauenzeitung“ von Louise Otto-Peters.

1856

Hayn erhält die amtliche Bezeichnung „Großenhain“.

1862

Die Eröffnung der Zweigbahn Großenhain – Priestewitz zur Anbindung der Stadt an die 1839 angelegte Bahnlinie Dresden – Leipzig erfolgt.

1864

Großenhain verfügt über bedeutende Kattun- und Tuchfabrikationen, Stickgarn- und Wollspinnereien.

1868

erfolgt der Bau des Stadtkrankenhauses.

1869

wird die Tuchmacherinnung aufgelöst.

1870

kommt es zur Weiterführung der Bahnstrecke Großenhain – Cottbus.

1871

zählt die Stadt 10.438 Einwohner.

1873

Erhalten sieben Großenhainer Tuchfabriken auf der Wiener Weltausstellung Fortschritts- und Verdienstmedaillen.

1874

erfolgt mit Inkrafttreten der revidierten Städteordnung die Bildung von 25 Amtshauptmannschaften in Sachsen.

Das Haus der Dresdner Straße 6, Großenhain wird Sitz der Amtshauptmannschaft. Der

1. Amtshauptmann war Gerichtsamtmann Hofrat Pechmann.

1875

wird die Eisenbahnstrecke Dresden – Berlin eröffnet.

1876 – 1885

wird die Kaserne der Großenhainer Garnison gebaut.

1890

wird die Bürgerschule, das heutige Hauptgebäude des „Werner-von-Siemens“-Gymnasiums, eingeweiht.

1893

wird der 1877 begonnene Stadtpark fertiggestellt.

1895

steigt die Einwohnerzahl auf 12.024 an. Dies wurde durch die industrielle Entwicklung begünstigt.

 

1900 bis 2016

 

1913

erfolgt die Eingemeindung von Mülbitz.

1913

wird mit dem Bau des Militärflugplatzes begonnen.

1914

wird der Flugplatz zum Standort der Flieger-Ersatz-Abteilung 6.

1918

kommt es zur Bildung des ersten Arbeiter- und Soldatenrates in Sachsen. Der Erste Weltkrieg fordert in der Stadt Großenhain 535 Tote.

1922

wird die auf dem Flugplatzgelände erbaute Papierfabrik in Betrieb genommen.

1923

Die Jahre der Inflation und der anschließenden Weltwirtschaftskrise beeinträchtigen die weitere Entwicklung der Stadt.

1925

zählt die Stadt 12.899 Einwohner.

1933

Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten wird Bürgermeister Hermann M. Hotop nach 28jähriger Dienstzeit vom Dienst suspendiert. Straßen und Plätze werden umbenannt. Auf dem Hauptmarkt kommt es zur Verbrennung von Büchern. Die Stadt hat in diesem Jahr 13.510 Einwohner.

1935

erfolgt die Einweihung der durch Notstandsarbeiter errichteten neuen „See- und Badeanlagen“. Der Militärflugplatz der Luftwaffe wird ausgebaut und die Aufklärungstruppe 23 „Großenhain“ wird hier stationiert.

1936

wird die Stammarbeitersiedlung der Fa. Gebr. Jentzsch AG Naundorf mit zehn Häusern angelegt. Großenhainer Turner tragen das „Olympische Feuer“ auf dem Weg nach Berlin durch Großenhain.

1937

erfolgt die Eingemeindung von Naundorf.

1939

Beginn des Zweiten Weltkrieges. Dabei wird auch die hiesige Industrie in die Rüstungsproduktion einbezogen. Die Stadt hat zu dieser Zeit 16.331 Einwohner.

1945

am 23./24. April erfolgt die Besetzung der Stadt durch sowjetische Truppen. Die Stadt trauert um 751 im Zweiten Weltkrieg Gefallene und Vermisste. 167 Witwen, 240 Waisen und 82 Kriegsinvaliden hatte der Krieg in der Stadt hinterlassen.

1945

wird der Wiederaufbau der Betriebe und Verwaltungen begonnen. Die „Vereinigten Großenhainer Betriebe“ (Vegro) stellen einfache Konsumgüter her. Bis 1949 werden ca. 4.500 Neubürger aufgenommen.

1947

Durch die Umsiedler steigt die Zahl der Einwohner auf 18.600 an.

1948/49

droht die Stadt infolge der Währungsunion zu verschulden. Mit dem Reingewinn des Strandfestes werden die Bedingungen in den Kindereinrichtungen verbessert.

1949

Im November dieses Jahres besucht der erste Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, nach seinem Aufenthalt im August 1946, zum zweiten Mal die Stadt Großenhain.

1950

kommt es zur Eingemeindung des Ortsteiles Kleinraschütz.

1952

wird das Territorium des Kreises durch eine Verwaltungsreform neu festgelegt. Großenhain verbleibt als einzige Stadt im Kreis. Sie ist damit eine der 16 Kreisstädte des Bezirkes Dresden. 

1960

erfolgt die Eingemeindung von Großraschütz und Zschieschen. 

1989

Im Oktober beginnt in Großenhain die erste Donnerstags-Demonstration.

1993

Der Betrieb des sowjetischen Militärflugplatzes wird eingestellt.

1994

bleibt Großenhain nach der Kreisgebietsreform Kreisstadt des Landkreises Riesa-Großenhain. Skassa und Zschauitz werden eingemeindet.

1995

werden Weßnitz und Rostig eingemeindet.

1999

erfolgt die Eingemeindung von Folbern.

Erstmals findet das "erlebnisfest der SINNE" statt.

2002

ist Großenhain Ausrichter der 3. Sächsischen Landesgartenschau.

2005

wird das 800-jährige Jubiläum der Stadt mit einem Festjahr und zahlreichen Veranstaltungen begangen.

2008

wird Großenhain durch eine weitere Kreisgebietsreform zur Großen Kreisstadt erhoben. Die Landkreise Meißen und Riesa-Großenhain fusionieren zum neuen Landkreis Meißen. Die Stadt hat 15.400 Einwohner.

Der 1. Bauabschnitt der Ortsumgehung der B98 wird für den Verkehr freigegeben.

2009

kommt es zur Eingemeindung der Gemeinde Wildenhain mit den Ortsteilen Bauda, Colmnitz, Walda-Kleinthiemig und Wildenhain.

2010

kommt es zur Eingemeindung der Gemeinde Zabeltitz mit den Ortsteilen Görzig, Treugeböhla, Nasseböhla, Strauch, Stroga, Uebigau, Skaup, Skäßchen, Krauschütz

Am Pfingstmontag wütet ein Tornado über großen Teilen Nordsachsens und trifft Großenhain. In der Stadt gibt es ein Todesopfer und ca. 50 Menschen werden verletzt. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Millionen Euro.

Der Stadtrat beschließt, dass die Stadt Großenhain den Barockgarten Zabeltitz und das Palais in Zabeltitz von der Deutschen Bahn kauft. In den kommenden Jahren investiert die Stadt mehr als eine Million Euro in die Sanierung und Aufwertung des Ensembles.

Der Kinderboulevard "Am Schacht" wird eingeweiht. Dabei handelt es sich um einen modernen Bildungs- und Betreuungstandort, an dem Kindereinrichtungen und Schulen für die Altersgruppen 1 bis 18 Jahren sowie eine Turnhalle konzentriert sind.  

2011

Gemeinsam mit Dresden und Löbau erinnert Großenhain mit einem Festjahr an Karl Benjamin Preusker, den Gründer der ersten Deutschen Volksbibliothek und sein vielfältiges Wirken.

Der Sportpark im Bürgerzentrum "Husarenviertel" öffnet und etabliert sich zu einer Sportstätte für den lokalen Schulsport sowie als überregional bedeutende Sportstätte für den Vereins- und Breitensport

Für insgesamt 2,2 Millionen Euro wird das Soziokulturelle Zentrum Alberttreff grundlegend renoviert, modernisiert und energetisch saniert.

Die erste "Großenhainer Kulturnacht" findet statt.

2012

Großenhain bewirbt sich als Ausrichterstadt für den „Tag der Sachsen“ 2014 und erhält den Zuschlag.

Der 2. Bauabschnitt der Ortsumgehung der B 98 wird für den Verkehr freigegeben. Mit der Realisierung des 2. Bauabschnittes erfolgte die vollständige Verlegung der Bundesstraße aus dem innerstädtischen Bereich und ein weiterer Teil einer leistungsfähigen Anbindung an die Autobahn A 13.

In einer Sondersitzung stimmt der Stadtrat der Übernahme des Großenhainer Kinos durch die Kulturzentrum Großenhain GmbH als neue Betreibergesellschaft zu. Damit bleibt eines der letzten beiden unabhängigen Filmtheater im Landkreis Meißen auch weiterhin für das Kinopublikum erhalten.

2013

wird das Großenhainer „erlebnisfest der SINNE“ als eines der schönsten Stadtfeste Deutschlands geehrt.

Zum 15. Mal findet das Hubertusfest und zum 20. Mal die Großenhainer Theatertage statt.

2014

Vom 5. bis 7. September feiern 265.000 Besucher friedlich und ausgelassen den 23. „Tag der Sachsen“ in Großenhain.

2015

Bei der Oberbürgermeisterwahl tritt der Amtsinhaber Burkhard Müller nach mehr als 20 Jahren nicht mehr an. Neuer Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Großenhain wird der parteilose Kandidat, Dr. Sven Mißbach.

Der Großenhainer Bauernmarkt feiert seine 20. Auflage.

2016

Großenhain ist Gastgeberstadt für die 26. Schülerbegegnung Musik & Kunst Sachsen Baden-Württemberg. Bei dieser Veranstaltung treffen sich Schülerinnen und Schüler beider Länder anlässlich des Tages der Deutschen Einheit zu einer künstlerisch-musikalischen Zusammenarbeit.  

In Zabeltitz findet die sachsenweite Eröffnung des "Tages des offenen Denkmals" statt.

Sollten Sie Interesse an weiterführenden Informationen haben, so können Sie aus einer Vielzahl von Büchern und Broschüren zur Großenhainer Geschichte auswählen. Auch die Mitarbeiter des Stadtarchivs Großenhain und des Museums Alte Lateinschule stehen Ihnen gern zur Verfügung. Bei einer historischen Stadtführung können Sie noch weitere geschichtliche Hintergründe sowie Anekdoten zur Entwicklung der Stadt und Region erfahren. www.grossenhain.de

 

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