„Pollmer-Rosen“ am historischen Ort gepflanzt

Stadtarchiv Großenhain

„Das Friedrich August Pollmer zwischen 1877 und 1893 im Auftrag des Stadtrates den Großenhainer Stadtpark gestaltete und dessen Anpflanzung als Gartendirektor beaufsichtigte, ist den meisten Großenhainern sicher bekannt. Weniger bekannt dürfte hingegen die Tatsache sein, dass sich Pollmer auch intensiv mit der Rosenzucht befasste“, erklärt Matthias Schmieder, Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung.

Der Stadtparkschöpfer erwarb sich dabei vor allem große Verdienste bei der Auslese und Zucht einer geeigneten Veredlungsunterlage für die eigentlichen Edelrosen, vor allem für die Hochstammrosen. Bei der Rosenveredelung geht es darum, eine schöne Rose robuster und widerstandsfähiger zu machen, ihren Wuchs und vor allem besondere Eigenschaften wie Farbe und Duft zu fördern. Als Unterlage nutzte man dabei auch schon früher Wildrosen, da sie kräftig wachsende Wurzeln besitzen und damit weniger anfällig für Krankheiten und Schädlingen sind.

Hintergrund für Pollmers Bemühungen war der dramatische Rückgang von Rosenwildlingen, die Ende des 19. Jahrhunderts noch massenweise beispielsweise im Isergebirge oder Riesengebirge im Auftrag großer Rosenbaumschulen gesammelt und als Veredlungsunterlage verwendet wurden. Der Raubbau führte jedoch dazu, dass die benötigten Mengen an Unterlagen in der Natur nicht mehr verfügbar waren und die Suche nach Alternativen die Rosengärtner umtrieb. Pollmer, selbst Mitglied bei den Dresdner Rosenfreunden, testete in seinem Leben sehr viele Rosenwildformen, um geeignete und zuverlässige Unterlagen zum Veredeln zu finden. Dabei selektierte er eine besonders für die Gegend um Meißen und Großenhain geeignete Wildform, der Rosa canina oder auch Hundsrose, und brachte diese unter dem Namen Rosa canina „Pollmer“ in den Handel. Diese Rosa canina-Auslese wird heute noch verwendet, da sie ein ausgezeichneter Stammbildner ist. Sie verfügt über glatte Stämme und kaum Ansatzstellen der Blätter am Spross der Pflanze, die sogenannten Nodien. Das ist vor allem ein Vorteil für den Winterschutz der Pflanzen. Noch heute werden im Dresdner Rosengarten die Hochstammrosen umlegt und die auf der Erde liegenden Kronen abdeckt. Durch die Struktur der Rosa canina befinden sich am Stamm wesentlich weniger mögliche Bruchstellen, als bei anderen Arten. Ein weiterer, aber nicht unwesentlicher Vorteil bezieht sich auf das Aussehen. Rosa canina 'Pollmer' mit ihren glatten, durchgehenden und grauen Stämmen ist hier klar der Favorit gegenüber solchen Stämmen im Zickzackwuchs und mit vielen Nodien. Die Rosa canina “Pollmer“ wird heute noch als wichtigste Unterlage für Hochstammrosen in den großen Deutschen Rosenbaumschulen verwendet. Veranlasst durch seine Rosenleidenschaft legte Pollmer auch im Großenhainer Stadtpark ein Rosarium (heute der Sommerblumengarten) in Nähe des Stadtparkrestaurants an.

In Erinnerung an die Zuchterfolge des Stadtparkschöpfers haben die Gärtner des Stadtbauhofes Ende April sechs Hochstammrosen der Sorte „Musquee Sans Souci“ der Rosenbaumschule Dräger, welche ausschließlich Pollmerunterlagen verwendet, gepflanzt. Gleichzeitig wurden drei Rosa canina „Pollmer“ als Wildstrauchrosen am Sommerblumengarten gepflanzt. „Auf diese Weise lebt das Erbe Friedrich August Pollmers nicht nur in Deutschen Rosenbaumschulen oder im Rosengarten Dresden, sondern auch in seinem Großenhainer Stadtpark fort“, freut sich Matthias Schmieder. Trotz aller Freude kann er sich einen ganz kleinen Wehrmutstropfen nicht versagen: Eigentlich wollten Matthias Schmieder und der Chef des Dresdener Rosengartens, Jens Zappe, die Pflanzungen gemeinsam zum Tag der Parks und Gärten im Mai offiziell präsentieren, auch fachkundige Führungen waren geplant. Der Corona-Virus hat dies leider – wie so viele Veranstaltungen in diesem Jahr – verhindert.

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